Was ist Wildnisbildung?

Dem Projekt „Waldscout – Wildnisexpedition liegt das Konzept der Wildnisbildung zu Grunde. Wildnisbildung ist durch die handlungsorientierte Verknüpfung von Naturerleben und ökologischer Bildung anhand konkreter Wildnis-Phänomene mit dem Fokus der Reflexion des Verhältnisses von Mensch und Natur charakterisiert. Hierbei spielen die Nachhaltigkeits-Perspektiven Partizipation, Vernetzung, Mehrdimensionalität (Nachhaltigkeits-Dreieck Ökonomie - Ökologie - Soziales), globaler Blick und Generationenfolge eine zentrale Rolle. Die Wildnisbildung versteht sich als Teil der Nachhaltigkeitsbildung. Sie lässt sich durch sieben wichtige Zielaspekte kennzeichnen:
  1. Das intensive Erleben von verwildernder, eigensinniger Natur zwischen Harmonie und Chaos, um Naturvertrautheit und ein realistisches Naturverständnis entwickeln zu können.
  2. Das leibliche Erspüren der eigenen empfindlichen und lebendigen Natur des Menschen durch elementare Naturerfahrungen.
  3. Das eingehende Nachdenken über Sinnfragen mit dem Blick auf den eigenen Lebensstil und die Begrenzung eigener materieller Ansprüche.
  4. Das Entdecken und Erkunden der wilden biologischen Vielfalt mit ihrer Bedeutung für den Menschen.
  5. Das konkrete Erfahren der ökologischen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Mitwelt als Grundlage kompetenter Urteilsbildung im Alltag.
  6. Die individuelle Erfahrung und Auseinandersetzung mit dem kulturellen Konzept "Wildnis" als Ergänzung zur Zivilisation.
  7. Das inspirierende Erleben der Wildnis als Ort persönlicher Freiheit in einer demokratischen Gesellschaft.
Zentrale Aufgabe der Wildnisbildung ist es, durch das intensive Erleben und Erkunden der verwildernden Natur zum Nachdenken über das individuelle und gesellschaftliche Verhältnis von Mensch und Natur anzuregen. Das Wildnisverständnis "Natur Natur sein lassen" mit seiner Aufforderung, die wilde Natur als Gast zu erleben und nicht verändernd in sie einzugreifen ("Therapeutisches Nichtstun"), ist hierbei ein wesentlicher Lernfaktor.

Wildnisbildung lässt sich als ein spezifisches Bildungskonzept für Verwilderungsgebiete in Nationalparken, Biosphärenreservaten und anderen Großschutzgebieten charakterisieren.

(Berthold Langenhorst)