Fachtagung Wildnis und BNE

Der Beitrag der Wildnisbildung zur nachhaltigen Entwicklung (BNE) steht im Mittelpunkt der Tagung „Wildnis und Bildung für nachhaltige Entwicklung“ vom 26.- 27.3.2012 am Nationalpark Kellerwald-Edersee. Im Rahmen der Tagung diskutieren Bildungsakteure aus Großschutzgebieten, Schule und Jugendarbeit sowie Nationalparkleiter und Wissenschaftler über die Anforderungen moderner Bildungsarbeit in Nationalparken.

Vortrag "20 Jahre pädagogische Herausforderung"

In seinem Vortrag „Wildnis – 20 Jahre pädagogische Herausforderung“ beleuchtet Prof. Dr. Gerhard TrommerEntwicklungslinien der Bildungsarbeit in mittel-europäischen Wildnisgebieten. Vor 20 Jahren erschien Trommers Buch "Wildnis – die pädagogische Herausforderung". Auf der Tagung zieht der Wildnis-Experte Bilanz und zeigt aktuelle Erfordernisse der Bildungsarbeit in Nationalparken auf.

Vortrag "Bildungsarbeit in Nationalparken"

Unter dem Titel "Bildungsarbeit in Nationalparken – Förderaspekte der DBU" befasst sich Dr. Alexander Bittner von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit aktuellen Anforderungen an innovative Bildungsprojekte in Großschutzgebieten.

Waldscout & Waldranger – Eine Projektbilanz

Nach drei Jahren Laufzeit zieht das Wildnisbildungsprojekt "Waldscout & Waldranger" Bilanz. Über 600 Jugendliche haben an der Pilotphase teilgenommen. Die Projektkeiter Sebastian Weigand und Anja Erxleben, Dr. Matthias Diemer (WWF Schweiz) vom Bildungsbeirat des Projektes sowie beteiligte Schüler und Lehrer berichten von ihren Erfahrungen.

Wildnisbildung in der Evaluation

Das "Waldscout & Waldranger"-Projekt wurde didaktisch und naturschutzfachlich evaluiert. Die Forschungsergebnisse werden auf der Tagung vorgestellt. Unter dem Titel "Wirkt Wildnis?" stellen Prof. Dr. Armin Lude und Berthold Langenhorst von der PH Ludwigsburg die biodidaktsche Begleitforschung vor. Dr. Eick von Ruschkowski und Christopher Garthe vom Institut für Umweltplanung der Uni Hannover erläutern Ergebnisse der naturschutzfachlichen Evaluation, die Auswirkungen der Biwaknutzung im Nationalpark untersuchte.

Markt der wilden Möglichkeiten

Auf einem "Markt der wilden Möglichkeiten" stellen verschiedene Nationalparke und ihre Partner neue und bewährte Bildungsprojekte vor. So kann sich jeder Tagungs-Teilnehmer eine Übersicht über den aktuellen Stand der Bildungsarbeit in Großschutzgebieten verschaffen und die Akteure näher kennen lernen.

Podiumsdiskussion Wildnis und BNE

Auf einer Podiumsdiskussion unter der Moderation von Dr. Alexander Bittner (DBU) setzen sich Nationalparkleiter, Bildungsakteure und Wissenschaftler mit dem Beitrag der Wildnis zur Bildung für nachaltige Entwicklung auseinander. Der Titel "Nationalpark – Naturreservat, Eventlocation oder Bildungsraum der nachhaltigen Entwicklung?" verspricht eine spannende Diskussion. Auf dem Podium sitzen u.a. Manfred Bauer (Leiter  Nationalpark Kellerwald-Edersee), Karl-Friederich Sinner (EUROPARC Deutschland), Prof. Dr. Gerhard Trommer, Dr. Armin Lude und Dr. Eick von Ruschkowski.

Workshops "Perspektiven der Wildnisbildung"

In sechs verschiedenen Workshops können sich die Teilnehmer mit einzelnen Aspekten der Wildnisbildung in Großschutzgebieten näher befassen. Die Workshops im Einzelnen:
  1. Tut wilde Natur gut? – Wildnisbildung und Schule
  2. Kernzonen – Tabugebiete für Menschen?
  3. Wildnisbildung – Nur Erlebnispädagogik in Nationalparkkulisse?
  4. Jugend und Wildnis – geht da was?
  5. Wildnis und BNE – was ist da nachhaltig?
  6. Wipfelpfade und 4-D-Kinos  – Sinnvolle Besuchermagnete?

Weltnaturerbe Buchenwälder

Das Weltnaturebe der hessischen Buchenwälder stellen Mitarbeiter des Nationalparks Kellerwald-Edersee in Vortrag und Exkursionen vor. Die Exkursionen führen in das Weltnaturerbe, zu Biwakplätzen des Waldscout-Projektes und ins NationalparkZentrum.

Tagungs-Programmflyer

Der Infoflyer zur Wildnis-Tagung mit dem genauen Tagungsprogramm kann hier als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Tagungs-Organisation

Die Tagung "Wildnis und Bildung für nachhaltige Entwicklung" findet vom 26.- 27.3.2012 im Sport-, Natur- und Erlebniscamp der Sportjugend Hessen in Vöhl-Harbshausen statt. Das Camp liegt direkt am Nationalpark. Der Teilnehmerbeitrag beläuft sich auf 30,- € und enthält die Teilnahme sowie Unterkunft und Verpflegung.

Anmeldungen nimmt das "Waldscout & Waldranger"-Projektbüro auf der Jugendburg Hessenstein per E-Mail entgegen, E-Mail: info@waldscout-waldranger.de


Was ist Wildnisbildung?

Dem Projekt „Waldscout & Waldranger“ liegt das Konzept der Wildnisbildung zu Grunde. Wildnisbildung ist durch die handlungsorientierte Verknüpfung von Naturerleben und ökologischer Bildung anhand konkreter Wildnis-Phänomene mit dem Fokus der Reflexion des Verhältnisses von Mensch und Natur charakterisiert. Hierbei spielen die Nachhaltigkeits-Perspektiven Partizipation, Vernetzung, Mehrdimensionalität, globaler Blick und Generationenfolge eine wichtige Rolle. Die Wildnisbildung versteht sich als Teil der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Sie ist durch sieben wichtige Ziele charakterisiert:
  1. Das intensive Erleben von verwildernder, eigensinniger Natur zwischen Harmonie und Chaos, um Naturvertrautheit und ein realistisches Naturverständnis entwickeln zu können.
  2. Das leibliche Erspüren der eigenen empfindlichen und lebendigen Natur des Menschen durch elementare Naturerfahrungen.
  3. Das eingehende Nachdenken über Sinnfragen mit dem Blick auf den eigenen Lebensstil und die Begrenzung eigener materieller Ansprüche.
  4. Das Entdecken und Erkunden der biologischen Vielfalt mit ihrer großen Bedeutung für den Menschen.
  5. Das konkrete Erfahren der ökologischen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Mitwelt als Grundlage kompetenter Urteilsbildung im Alltag.
  6. Die individuelle Erfahrung und Auseinandersetzung mit dem kulturellen Konzept "Wildnis" als Ergänzung zur Zivilisation.
  7. Das Erleben der Wildnis als Ort persönlicher Freiheit in einer demokratischen Gesellschaft.
Zentrale Aufgabe der Wildnisbildung ist es, durch Naturerfahrungen vielfältige Anlässe zum Nachdenken über das individuelle und gesellschaftliche Verhältnis von Mensch und Natur anzubieten. Das Wildnisverständnis "Natur Natur sein lassen" mit seiner Aufforderung, die wilde Natur als Gast zu erleben und nicht verändernd in sie einzugreifen ("therapeutisches Nichtstun"), ist hierbei ein wesentlicher Lernfaktor.

Eine umfassende Darstellung des Konzeptes der Wildnisbildung bietet ein Fachartikel im Jahrbuch Naturschutz in Hessen 2010.

Waldscout-Kurs

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